Statement

»Bewegung ist das zentrale Sujet in den Arbeiten Corinna Rostecks. Dabei liegt ein Themenschwerpunkt ihres künstlerischen Schaffens in der Faszination des Wassers. Auf das Liquide, andere Aggregatzustände, charakteristische Wellenbewegungen, auf die vielfältigen Lichtbrechungen und Spiegelungen konzentriert sich ihr Blick. Oberflächen, die ein perspektivisches Sehen unterbinden, finden sich ebenso in den Motiven des Stadtraums, der Wüstenlandschaft und den menschlichen Bewegungen im Tanz.

Die Rhythmik der Lineaturen im Bild schafft für den Betrachter einen energetisch aufgeladenen Raum. Das Werk der Künstlerin zeigt sich facettenreich, atmosphärisch dicht und in ästhetisch herausragender Umsetzung. Es stellt die Frage nach dem Grund im Sinne einer spirituellen Verortung im Strom ständiger Veränderung. Die künstlerische Intention Corinna Rostecks schafft Verbindungen zwischen Fotografie und Malerei und erweitert sie durch raum- bzw. kontextbezogene Installationen.

Die Künstlerin hat spezielle Drucktechniken auf besonderen, lichttechnisch interessanten Materialien und Oberflächen entwickelt. Der reflektierende Bildträger nimmt diese Thematik auf, ermöglicht dem Betrachter in seiner Bewegung vor dem Bild das Erlebnis changierender Wahrnehmung im Innen- wie im Außenraum.«
(A. Jahnhorst)

Fotografieren heißt für mich Abstand nehmen von Zeit und Raum, von vorgefertigten Bildern. Ich vertraue eher dem spontanen Eindruck, der meinen Motiven im Moment des Fotografierens zu Grunde liegt. Augen-Blicke, eingefangen mit der Kamera und durch die künstlerische Bearbeitung überhöht, verleihen der Flüchtigkeit eine dauerhafte und intensive Gestalt.

Meine Fotografien thematisieren Spiegelungen und Oberflächen im Stadtraum, beim Tanz und im Liquiden. Wie auch beim Licht sind es Transparenz und Spiegelung, die mich beim Wasser faszinieren. Die großformatigen Fotografien von lichthaltigem und reflektierendem Wasser changieren zwischen gegenständlicher Reproduktion und abstrakter Struktur.

Ausgehend von Malerei und Drucktechnik experimentiere ich mit  lichttechnisch interessanten Oberflächen, Metallfolien und Leuchtkästen eine eigene Materialität des Bildes. Aluminium als reflektierender Bildtrager spiegelt den Betrachter mit im Bild. Der starre kühle Metallcharakter der Oberflächen wird dadurch aufgebrochen. Es geht um die Erweiterung des fotografischen Blickes.

Die Wirkung der malerisch bewegten Oberflächen wird dabei vom metallischen Widerschein des Bildträgers, der sich je nach natürlichem Lichteinfall im Ausstellungsraum verändert, effektvoll gesteigert und entspricht der lebendigen, sich ständig verändernden Erscheinung des Wassers.

Die Position des Betrachters verändert sich – je nach Standpunkt. Der Betrachter erfährt Bewegung im Bild, und zugleich die eigene Bewegung im Raum. Es entstehen dadurch ständig wechselnde Ein – Blicke. Körper, Bildträger und Raum gehen einen Dialog ein. Vielschichtige Verflechtungen zwischen Gesehenem und Betrachter, Bild und Abbild, flüchtigen Bildern und haptischen Elementen evozieren ein Gefühl beunruhigend konstruierter Realität.

Es bleibt die Seh(n)sucht nach dem einen greif-baren Bild.«

Technik/Methode

Das Überschreiten der fotografischen Grenzen spielt in Hinblick auf die Präsentationsform meiner Bilder eine bedeutende Rolle. Einen Großteil meiner Fotoarbeiten habe ich auf reflektierende Metallfolie gedruckt, mit UV-Schutzfolie versiegelt und auf den Bildträger einer Aludibondplatte, kaschiert. Das Verfahren hierfür habe ich gemeinsam mit einem Fachlabor für fotografische und digitale Medien in Berlin über lange Zeit entwickelt. Für das Motiv des Wassers ist diese Technik geradezu prädestiniert, denn sie erzeugt unglaublich realistische Wahrnehmungseffekte: Je nach Lichteinfall und Standpunkt des Betrachters changieren die Farbtöne des Wassers, fast scheint sich seine Oberfläche sanft zu bewegen. Das Spiel des Lichts, das der Betrachter nahezu zwangsläufig mit dem Element Wasser und den Motiven von Glasfassaden assoziiert, findet auf der Bildoberfläche faktisch statt. Durch die technische Umsetzung verliert das Bild seine Eigenschaft als statisches Medium. Es gelingt mir, den eingefrorenen Blick der Kamera zu überwinden und den typischen Charakter von Wasser und Bewegung 'körperlich' zu fassen.

Zusätzliche Unterstützung erfährt dies durch die bewußte Einbeziehung analoger und digitaler Unschärfen, welche die Strukturen fließend und weich erscheinen lassen.